Die Johannismühle


 
Sie finden im Park Fundamente aus Feldsteinen von einer 1730 gebauten Wassermühle, der Johannismühle. Ihr Standort wurde auf Grund des weitläufigen Forstes und der vorhandenen Quelle ausgewählt.


 
Foto von 1943  
 
 
Nachdem die Mühle wirtschaftlich uninteressant geworden war, wurde sie abgerissen und auf den vorhandenen Fundamenten errichtete man das Forsthaus Johannismühle.
Am 11.05.1765 wurde in der Johannismühle Johann Georg Lehmann geboren. Den Sohn des Müllers zog es eher zum Militär als zur Mühlenarbeit. Der hochbegabte Müllersohn schied nach der "Kriegsschule der Kurfürstlich-sächsischen Leibgarde" aus dem Militärdienst aus und wurde Landvermesser. 1798 berief man ihn wieder als Lehrer und Offizier zur "Ritter-Akademie" nach Dresden. Im Alter von 46 Jahren starb er im September 1811. Er erwarb sich große Verdienste bei der Weiterentwicklung von Meßinstrumenten und -methoden des Vermessungswesens und der Kartographie. Von ihm stammt auch die neuartige Darstellung der Höhenverhältnisse von Bergen und Höhenzügen (Höhenlinien).
Am 20.04.1945 zog in das Forsthaus Johannismühle der Stab einer Armee aus dem Bestand der 1. Ukrainischen Front ein. Der Befehlshaber führte von hier aus die Truppen zur letzten großen Schlacht des 2. Weltkrieges, der Kesselschlacht bei Halbe. Nach Kriegsende diente dieser General mehrere Jahre in Wünsdorf im Stab der Westgruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. In seiner Freizeit besuchte er dann öfter den Förster Dorow und ging mit ihm zur Jagd. Später wurde aus dem Revier Johannismühle das Sonderjagdgebiet des Oberkommandierenden der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Nach Fertigstellung der Wochenenddatscha im Zentrum des heutigen Wildparkes wurde das Forsthaus 1972 abgerissen.
Nicht jeder der insgesamt 16 Oberbefehlshaber, die bis 1994 unterschiedlich lang an der Spitze der Sowjetischen Truppen in Deutschland standen, war ein eifriger Jäger.
So diente die Datsche mit einem großen Kaminzimmer, Küche, 2 Appartements und 4 Gästezimmern nebst einem 20 ha großen umfriedeten Wiesen-, Teich- und Waldgrundstück vorrangig der Naherholung. Der Dienstort der Oberbefehlshaber war Wünsdorf.


 
Die Datsche
 
 
Aber auch zu außergewöhnlichen Anlässen wurden Haus und Grundstück genutzt. So empfing am späten Abend des 13. August 1961 Marschall Konjew an der Planung der Aktion "Mauerbau" beteiligte sowjetische Generale und den Marschall Jakubowski zum Abendessen.
Zuletzt feierte am 19. August 1994 Generaloberst Burlakow hier seinen 60. Geburtstag.

 

 

Generaloberst Burlakow


Von deutscher Seite hielten sich gelegentlich auf Einladung die Armeegenerale Heinz Hoffmann und Heinz Kessler sowie die Generaloberste Fritz Streletz, Stechbart, E. Peter und Baumgarten hier auf.
Nach 1990 fanden sich ab und an Jörg Schönbom und Manfred Stolpe auf dem Areal ein.
In der Nacht vom 30.08 zum 31.08.1994 übernachtete der damalige Verteidigungsminister der Russischen Förderation, Armeegeneral Gratschow hier, um am 31.08. an der offiziellen Verabschiedung der russischen Truppen durch Kanzler Helmut Kohl und Präsident Boris Jelzin in Berlin teilzunehmen. Beim Packen seiner Sachen nahm er wohl versehentlich zwei LKW-Ladungen Inneneinrichtung mit, die bereits verkauft waren. Neben 82 Jagdtrophäen und geschnitzten Möbel verschwand auch ein Ölgemälde mit Jagdszenen, das für das Jagdmuseum in Groß Schönebeck vorgesehen war. Interventionen sowohl durch Generaloberst Burlakow, als auch den neuen Eigentümer und den Zoll blieben ergebnislos.
Bereits seit dem Frühjahr 1994 liefen durch private Initiative Verhandlungen mit russischen und deutschen Behörden, um das Grundstück und weitere Flächen zu erwerben und in einen Wildpark zu überführen. Dies gelang im August 1994.
 
Seither besuchten hohe russische Militärs regelmäßig Johannismühle, da ihnen das Grundstück ans Herz gewachsen war.